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Ferien für die Kartoffelernte

März 24, 2017

Mitte September bis Ende September war in Verne die Zeit der Kartoffelernte. Für uns Kinder hieß das: „KARTOFFELFERIEN“. Wobei das Wort Ferien den Sachverhalt etwas falsch umschreibt, der da auf uns zu kam. Alle Kinder mussten in dieser Zeit auf dem Feld helfen, die Kartoffelernte einzubringen.

Von Hand und mit Pferden

Fleißige Hände waren auch dringend nötig, da alles noch viel per Hand gemacht wurde. Kurz nach dem Krieg und bis ca. ’54 gab es keinen Trecker auf dem Hof und wir setzten auf natürliche PS. Hinter eins unserer treuen Pferd Max und Herta – zwei lammfromme Kaltblüter – wurde ein Kartoffel-Rohder gespannt.

Der Rohder war wie riesengroße, rotierende Gabeln, die die Schätze aus der Erde hoben. Die Kinder liefen hinter dem Rohder her und „machten die Kartoffeln aus“ wie wir sagten. Das heißt wir sammelten sie auf und legten sie in die bereitstehenden Körbe. Diese wurden dann auf einen Wagen gepackt und nach Haus hin gezogen.

Ob groß, ob klein – Kartoffeln gab es für jedes „Leckermaul“

Egal ob groß oder klein, jede Kartoffel wurde sorgsam aufgesammelt. Später auf der Deele wurde dann sortiert. Die großen, ansehnlichen kamen in den Kartoffelkeller für den Familienbedarf. Daraus wurden köstliche Bratkartoffeln mit Spiegelei und Spinat.

Zu Nachkriegszeiten haben alle Familien an die „Hamsterer“ aus den Städten im Gegenzug gegen anderes Tauschmaterial wie Puppen ein paar Säcke abgegeben. Dadurch konnte mir der Weihnachtsmann eine wirklich schöne Schildkröt-Puppe schenken.

Die kleinen Kartoffeln waren für die Schweine reserviert. Gekocht und mit anderen Resten und Ingredienzien vermengt war das für unsere Sauen ein Festmahl. Heute gibt es immer noch die kleinen und die großen Kartoffeln. Und auch die kleinen sammele ich immer mit auf. Sie geben einen ganz prima Snack ab – viel zu Schade für Schweine!

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